GESCHICHTLICHES ZUR PFARRE ZURNDORF

Der Name „Zurndorf“

 

Die Gemeinde Zurndorf liegt nördlich des Neusiedler Sees auf der sog. Parndorfer Platte.

Die Bezeichnung „–dorf“ weist auf deutsche Besiedlung hin. Allerdings hatte die Gemeinde ursprünglich einen nicht-deutschen Namen, nämlich Zaran oder Zarand.

Von diesem Zaran, im Jahre 1209, als der Name urkundlich zum ersten Mal aufscheint, nimmt man an, es sei ein slawischer oder eher ein petschenegischer Anführer gewesen, der dem Dorf den Namen gegeben hat. Denn gerade in diesem Gebiet, nördlich des Neusiedler Sees, an der sog. Brucker Pforte, hatten ungarische Könige zum Schutz ihres Reiches fremde Hilfsvölker angesiedelt, eben die bereits erwähnten Petschenegen oder Bissenen.

Der deutsche Name, Czurondorff geschrieben, kommt erst in der Mitte des 15. Jahrhunderts vor.

 

 

Frühgeschichtliche Religiosität

 

Aber schon lange vor der Besiedlung mit Slawen im Gefolge der Awaren und Petschenegen, in der 2. Hälfte des 11. Jahrhunderts haben hier Menschen gelebt. Aus der Bronzezeit wurde ein Grab mit Skelett und einem besonders schönen Schwert gefunden.

In der Römerzeit hat es hier, an einer wichtigen Straße nach Carnuntum, eine große Siedlung gegeben. Und auch hier zeigt es sich: Die Menschen aller Zeiten waren religiös, haben Verbindung mit höheren, überirdischen Wesen gesucht. Ein römischer Soldat Caius Julius Geminus machte ein Gelübde, wohl nach glücklicher Heimkehr aus einem Krieg, und stiftete im Gebiet von Zurndorf zu Ehren des Gottes Silvanus einen Weihe-Altar, der im Jahre 1887 ins Museum nach Ungarisch Altenburg gebracht wurde. Zweifellos haben römische Soldaten, die entlang der Straße an die Grenzen des römischen Reiches marschierten oder Kaufleute, die ihren Geschäften nachgingen, die ersten Nachrichten des jungen Christentums hierher gebracht.

 

 

Die „Geburt“ der Pfarre Zurndorf und ihre Anfangszeit

 

Im Jahre 1399 wird Zurndorf als „civitas“ (Stadt) bezeichnet. In der diesbezüglichen Urkunde ist vom Richter, den Geschworenen und vom ganzen Volk und den königlichen Untertanen der „Stadt“ Zarand die Rede, die zum Schloss Ungar. Altenburg gehört. Ob mit der lateinischen Bezeichnung „civitas“ tatsächlich eine „Stadt Zurndorf“ gemeint ist oder eher eine Marktgemeinde, die gewöhnlich „oppidum“ heißt, sei dahingestellt.

Jedenfalls ist am Ende des 14. Jhdts. Zurndorf keine gewöhnliche Gemeinde, sondern eine bedeutende Marktgemeinde.

Daraus lässt sich auch der Schluss ziehen, dass sich Zurndorf spätestens im 14. Jhdt. von der Urpfarre Ungar. Altenburg gelöst hat und eine selbständige Pfarre geworden ist. Die Gemeinde war damals auch befestigt und mit Toren versehen. Im Jahre 1405 ist von Adeligen „innerhalb des Steintores“ von Zurndorf die Rede.

Die Gemeinde hatte, wie viele andere im Bereich des Neusiedler Bezirkes, durch Kriege, Hungersnot und Abwanderung viel zu leiden. Im Jahre 1531 werden 60 Häuser als zerstört bezeichnet, im Jahre 1546 lebten hier nur 25 Familien, die keinen eigenen Seelsorger hatten, sondern vom Pfarrer von Gols religiös betreut werden mussten. Das ist eine Entfernung von etwa 15 km, was für die damaligen Verhältnisse eine kleine Weltreise war.

Nachdem im Laufe der Jahre ein Teil der Gläubigen protestantisch geworden war, hatten es katholische Pfarrer sehr schwer sich durchzusetzen.

 

 

Die rasche Ausbreitung der Lehre Martin Luthers

 

Die Lehre Martin Luthers hielt relativ früh auch Einzug auf dem Heideboden, nachdem sie sich in Deutschland, wie in ganz Europa sehr rasch verbreiten konnte. Dass sie auch auf dem Heideboden rasche und große Fortschritte erzielen konnte, kann unter anderen Aspekten auch dem Umstand zugeschrieben werden, dass der Heideboden mehrheitlich von Deutschen besiedelt war, wodurch sprachliche Schwierigkeiten von vornherein wegfielen.

Die in der Anfangszeit der Reformbewegung aufgekommene Buchdruckerkunst Gutenbergs bildete zudem eine wertvolle Hilfe für die Verbreitung des lutherischen Lehrgutes. Es gab damals in Ungarn 30 Druckereien, von denen sich 29 in den Händen der Protestanten befanden. Von 275 Büchern religiösen Inhalts stammten 244 aus der Feder protestantischer Verfasser.

Die Reformbewegung hatte auch innerhalb weniger Jahrzehnte von 250 Schulen niederer und höherer Stufe mehr als die Hälfte inne.

Eine solche protestantische Schule gründete im Jahre 1556 in Ungar. Altenburg der Prediger Gallus Huszar, der in der engeren und weiteren Umgebung erfolgreich wirkte. Er war gelernter Buchdrucker und gründete bald eine eigene Druckerei, die es ihm ermöglichte, seine Predigten schriftlich abzufassen und rasch unter das Volk zu bringen.

Einer der Hauptgründe für die zügige Ausbreitung der neuen Lehre lag in der Reformbedürftigkeit der römisch-katholischen Kirche selbst, in der sich einige Missstände eingeschlichen hatten. Als Folge diverser negativen Erscheinungen in der katholischen Kirche sahen die Gläubigen in der Anfangszeit der Reformation diese als Reformierung der katholischen Kirche selbst an. Bis allen die Spaltung der Kirche restlos bewusst wurde, dauerte es bis zur Jahrhundertwende.

So wie dies heute der Fall ist, dass beide Konfessionen in einer Gemeinde ein gutes Nebeneinander und in vielen Fällen auch Miteinander pflegen, dass gab es zu Beginn der Reformation nicht.

Die Steuerkonskription des Jahres 1546 weist von den zur Herrschaft Ungar. Altenburg gehörenden 20 Gemeinden 11 aus, die keinen eigenen Pfarrer hatten, unter diesen auch Zurndorf, Nickelsdorf und Deutsch Jahrndorf.

Zurndorf versah – wie bereits erwähnt – der Pfarrer aus Gols und Deutsch Jahrndorf  jener aus Ragendorf mit, während Nickelsdorf gemeinsam mit Straß-Sommerein einen Pfarrer hatte. Gerade in jenen Gemeinden ohne Pfarrer konnten die sog. Wanderprediger bedeutende Erfolge in der Darlegung und Verbreitung der Lehre Luthers erzielen.

Für den entscheidenden Durchbruch der neuen Lehre in ganz Ungarn, sowohl bei den Magnaten als auch beim übrigen Adel, ist das 4. Jahrzehnt des 16. Jhdts. anzusehen, als sich das Land im wesentlichen von den Türkeneinfällen erholt hatte.

Es ist unbestritten, dass die jeweiligen Inhaber der Herrschaft Ungar. Altenburg als Grundherren eine gewisse Einflussnahme auf die religiöse Entwicklung in den zur Herrschaft gehörigen Gemeinden ausgeübt haben. Die Grundherren übten im Regelfall die Patronatsrechte in den Gemeinden aus, was sie unter anderem auch ermächtigte, dem Bischof die Priester für die Gemeinden vorzuschlagen. Dieses Befugnis ging manches Mal auch zu weit und gab mehrfach zu Konflikten in den Gemeinden Anlass. Man kann so formulieren, dass die Einflussnahme der Grundherren auf die religiöse Entwicklung zwar nicht entscheidend, aber doch vielerorts mitbestimmend war.

 

 

Die religiösen Verhältnisse im 16. Jhdt.

 

Der Protestantismus konnte in den Gemeinden Zurndorf, Nickelsdorf und Deutsch Jahrndorf etwa um 1560 bis 1570, also relativ früh, Fuß fassen.

Die Nähe Pressburgs und Altenburgs sowie die Zugehörigkeit der Gemeinden zur Herrschaft Ungarisch-Altenburg spielten ebenso eine Rolle, wie auch die Einflussnahme der Burghauptleute und Pfandinhaber in religiösen Fragen, Pfarrbesetzung und dergleichen.

Um 1570 traten in der Herrschaft, zumeist aus Deutschland kommende, evangelische Predikanten auf, denen es in recht kurzer Zeit gelang, einen Großteil der Bevölkerung für den Protestantismus zu gewinnen.

Katholische Pfarrer hatten es in diesen Jahren sehr schwer, sich durchzusetzen.

1582 trat ein katholischer Pfarrer namens Johann Wicelius die Pfarre an. Dabei war dieser mit größten Schwierigkeiten konfrontiert, da der Richter wie auch die Gemeinde fast alle Grundstücke der Pfarrpfründe, von deren Ertrag sich der Pfarrer ernähren sollte, einfach mit Gewalt an sich genommen hatten. Die katholischen Visitatoren des 17. Jahrhunderts, als Zurndorf wieder von katholischen Pfarrern verwaltet wurde, wunderten sich sehr, dass eine Gemeinde mit einen so großen Hotter wie Zurndorf überhaupt keine Pfarrpfründe besaß.

Die Erklärung liegt in dem Bericht des Pfarrers Wicelius: Die Gemeinde hat den Pfarrgrund für sich in Anspruch genommen. Auch andere Einkünfte, wie Stolagebühren usw. wurden dem katholischen Pfarrer verweigert, an seiner priesterlichen Ehre wurde er „angetast“ und zum Schluss von einem „Hauer“ sogar geschlagen. So sah er sich veranlasst, die Pfarre zu verlassen, weil ihm einerseits die Lebensgrundlagen verweigert wurden und andererseits eine solche Belastung unerträglich war.

An seiner Statt kamen nun evangelische Prediger, die unter dem Schutz des Hauptmannes Erasmus Braun von Ungarisch Altenburg eingesetzt wurden.

Nachdem die Stelle des protestantischen Hauptmannes Erasmus Braun der Katholik Hans Breiner übernommen hatte, kam nun auch wieder ein katholischer Pfarrer nach Zurndorf, nämlich Johann Tarfuß. Im Jahre 1606 sucht Jakob Krepmayer, der 5 Jahre lang Pfarrer von Weiden am See gewesen war, aber durch den Bocskay-Aufstand sein Hab und Gut verloren hatte, um die Pfarre Zurndorf an. Der Klosterrat in Wien meinte, man solle ihm neben Zurndorf auch die Pfarre Nickelsdorf übertragen, damit er sich finanziell halten könne.

 

 

Ereignisse ab dem 17. Jahrhundert

 

Zu den kirchlichen Auseinandersetzungen zwischen den beiden Konfessionen kamen um die Wende von 16. zum 17. Jahrhundert noch kriegerische Ereignisse hinzu, welche erneut die Herrschaft Ungarisch-Altenburg erschütterte. Der Bocskay-Aufstand etwa dauerte zwar nicht lange, ließ jedoch verheerende Folgen zurück.

Der Wiener Friede im Jahre 1606 brachte für die Protestanten eine zwei Jahrzehnte andauernde blühende Periode. Stefan Illeshazy, Beauftragter Bocskays bei den Wiener Friedensverhandlungen wird Palatin von Ungarn. Nach ihm kam ebenfalls ein Lutheraner Graf Georg Thurzo.

Das 17. Jhdt. Stand aber auch katholischerseits im Zeichen kirchlicher Erneuerung. So gelang es etwa dem Jesuiten Peter Pazmany 30 der wichtigsten Magnatenfamilien zu rekatholisieren. 1616 wurde Pazmany Erzbischof von Gran. Er gründete auch das nach ihm benannte Pazmaneum in Wien zur Heranbildung des Priesternachwuchses für Ungarn.

Gegen Ende des 30 Jährigen Krieges (1648) erhielten die Protestanten eine weitere Stärkung: Der Siebenbürgerfürst Georg Rakoczy drang 1643 in Ungarn ein und zwang Ferdinand III. zum Frieden. Der zu Linz 1645 geschlossene Friede sicherte die bereits früher erworbenen Rechte der Protestanten. Im Artikel 1 des Dokumentes wird bestimmt, dass auch die Kirchengebäude Bestandteile der Religionsfreiheit sind. In diesem Sinne gehörten diese nicht mehr zum adeligen Besitz. Im Artikel 2 wird die Religionsfreiheit und im Artikel 3 werden die Geistlichen vor dem Grundherrn geschützt. Der Artikel 6 bewirkte, dass von den mehr als 300 ursprünglich geforderten Kirchen 90 den Protestanten zurückgegeben werden, darunter befanden sich auch die Kirchen von Zurndorf, Nickelsdorf und Deutsch Jahrndorf.

Im Artikel 10 des Linzer Friedens wurde den Protestanten zudem das Recht eingeräumt, an Orten, wo die Kirchen in katholischem Besitz blieben, neue Kirchen, sowie Pfarr- und Schulhäuser zu errichten. Friedhöfe und Glocken sollten sie gemeinsam mit den Katholiken zu gleichen Bedingungen benützen dürfen.

Das Selbstbewusstsein der Protestanten wurde dadurch stark angehoben. Über ihre Stärke in den Herrschaftspfarren geben die kirchlichen Visitationen von 1659 und 1663 Auskunft. Es wird unter anderem darin berichtet, dass die Einwohner evangelische Deutsche seien und ihr Pfarrer gut besoldet sei, während die katholische Pfarrei arm sei.

Die Auseinandersetzungen zwischen den Protestanten und den Katholiken waren mitunter sehr hart. Als die Evangelischen die katholische Pfarrkirche für sich beanspruchten, baten die Katholiken im Jahre 1659, ihnen wenigstens die alte Rundkapelle im Friedhof für den Gottesdienst zur Verfügung zu stellen. Ansonsten müssten sie die hl. Messe im Freien oder in Privathäusern feiern. Die bescheidene Bitte wurde jedoch abgelehnt.

Die Katholiken betreute damals, als evangelische Seelsorger in Zurndorf tätig waren, der jeweilige Pfarrer von Straßsommerein (Hegyeshalom).

Später erhielten die Katholiken mit Hilfe von Kardinal Kollonitsch wieder ihre Kirche zurück (1673). Die katholischen Pfarrer sind seit der Übernahme ihrer alten Kirche namentlich bis zum heutigen Tag bekannt.

Dann entwickelte sich allmählich eine gesunde Basis für ein friedliches Zusammenleben der beiden Konfessionen in den Gemeinden. Diese Entwicklung wurde allerdings bald wieder aufgrund der gegenreformatorischen Maßnahmen Leopold I. gestört. Das Jahrzehnt von 1671 bis 1681 wird von den protestantischen Geschichtsschreibern als so genannte „Trauerdekade“ und das gewaltsame Eingreifen des Staates in Ungarn als „Schreckensherrschaft“ bezeichnet. Es kam dabei zu gewaltsamen Wegnahmen der Kirchen und Vertreibung evangelischer Geistlicher und Lehrer.

Diese Entwicklung bedeutete für die Protestanten einen schweren Schlag, wenn gleich sie auch ein engeres Zusammenrücken bewirkten. Es entstanden die sog. Hauskirchen, nachdem die freie Religionsausübung nicht mehr gestattet war. Die Evangelischen konnten auch ein Jahrhundert lang nur vom katholischen Pfarrer ihre Kinder taufen und ihre Toten begraben lassen. Sowohl die Taufen als auch die Todesfälle wurden in den katholischen Martrikenbüchern eingetragen.

Die Erfolge dieser staatlichen Rekatholisierungsversuche waren allerdings nicht von langer Dauer. Viele von denen, die zur „Bekehrung“ gezwungen wurden, fielen schon kurze Zeit darauf wieder ab. Dies beweist das Beispiel Deutsch Jahrndorf: Der Visitationsbericht von 1680 spricht davon, dass alle Bewohner zum Katholizismus zurückkehrten, doch jener von 1696 sagt aus, dass bis auf 4 oder 5 Familien alle wieder evangelisch seien. In Zurndorf wiederum lebten in diesem Jahr 299 katholische und 433 evangelische Christen.

Nicht übergehen darf man die Folgen des 2. Türkenzuges nach Wien 1683. Damals wurde die Gemeinde Zurndorf in einen „Schutthaufen“ verwandelt, was alte Aufzeichnungen berichten. Es dauerte lange Zeit, bis sich die Situation wieder normalisierte, denn auch die Kuruzzenkriege (1705-11) brachten für die Gemeinde starke Verluste.

1691 erfolgte durch Leopold I. in der sog. „Explanatio Leopoldiana“ eine Gesetzeserklärung, die zwischen öffentlicher und privater Religionsausübung in Ungarn unterschied. Leopold I. beschränkte damit den öffentlichen Kult auf bestimmte Orte (Artikularorte), in denen öffentliche Gottesdienste der Evangelischen, Taufen und Begräbnisse abgehalten und einige Friedhöfe errichtet werden durften. Diese Religionsartikel bildeten die Grundlage für das Verhältnis der Konfessionen zueinander für die nächsten 100 Jahre. Gestützt auf diese Voraussetzungen und nach dem Toleranzpatent Josef II. konnten die Protestanten in Zurndorf; Nickelsdorf und Deutsch Jahrndorf eigene Kirchengemeinden gründen.

Eine interessante Begebenheit aus dieser Zeit berichtet davon wie 1700 der katholische Pfarrer bei seinem Bischof verklagt wurde, „weil er die katholischen Seelen aus niederträchtiger Gewinnsucht verkauft habe“ mit der Begründung, dass sie zu den Evangelischen übertreten konnten, wenn sie ihm 10 fl bezahlen. Allerdings stellte sich die ganze Sache nach ihrer Klärung anders da: der Pfarrer gab den evangelischen Christen die Erlaubnis, die Sakramente der Taufe, der Trauung und der hl. Kommunion beim evangelischen Pfarrer zu empfangen; dafür verlangte er die 10 fl für die entgangenen Stolagebühren. Normalerweise nämlich empfingen damals auch die evangelischen Christen die Sakramente beim katholischen Pfarrer, wenn sie keinen eigenen Seelsorger hatten und dafür mussten sie genau so wie die Katholiken Stolagebühren zahlen.

Zur Zeit des katholischen Pfarrers Sammer (1737-39) entstand mitten in Zurndorf eine größere Kapelle, dem hl. Erzengel Michael geweiht. Sie diente bei Schlechtwetter als Gottesdienststätte, da sich die Pfarrkirche am Ende der Ortschaft befand und daher von vielen nur schwer erreichbar war.

 

 

Die Zeit nach dem Toleranzpatent Josef II.

 

Schon bald nach dem Toleranzpatent Josef II. richtete die evangelische Pfarrgemeinde Zurndorf im Jahre 1782 eine Bittschrift an die königlich ungarische Statthalterei, mit dem Inhalt ein „Bethaus und Schulhaus erbauen, einen Prediger und Schullehrer einführen und die dafür erforderlichen Gebäude errichten zu dürfen“.

Die evangelische Pfarrgemeinde führte im Bittschreiben weiters an: Im Ort befänden sich 130 Familien. Viele könnten bei der Errichtung der Gebäude mitwirken und auch Bargeld bereitstellen. Die Pfarrgemeinde ihrerseits würde sich verpflichten, mit 180 Gulden und 50 Metzen Korn für die Erhaltung von Prediger und Lehrer jährlich aufzukommen. Die Bittsteller ersuchten um die Bereitstellung eines geeigneten Bauplatzes. Alle anderen Voraussetzungen wären also nach Meinung der Bittsteller gegeben, eine evangelische Gemeinde zu gründen, sodass die nach dem Toleranzpatent vom 25.10.1781 notwendige Erlaubnis gegeben werden könne.

Die obrigkeitliche Erlaubnis zur Errichtung der Bauwerke ließ nicht lange auf sich warten und so wurde noch 1782 mit dem Bau der Kirche begonnen. Der Kirchenbau wurde bereits ein Jahr später vollendet, allerdings ohne Turm, welcher erst 1841 dazugebaut wurde.

 

1814 fand eine Volkszählung statt: Unter Ausschluss der Kleinadelsfamilien kam man in Zurndorf auf 1120 Personen. Zählt man die Kleinadelsfamilien und den natürlichen Bevölkerungszuwachs von 1814 bis 1818 hinzu, so kann man die Gesamtbevölkerung mit 1200 annehmen. Von diesen waren im  Jahre 1818 550 katholisch und 650 evangelisch.

Die Einwohner gliederten sich in 56 Bauern, 54 Söllner oder Kleinhäusler und 59 Familien ohne eigene Häuser. Weiters gab es 100 Knechte und Mägde und 25 Handwerker und Krämer.

Die Einwohner waren alle deutsch und sprachen abgesehen von wenigen Ausnahmen österreichische Mundart.

Andreas Grailich stellt die Menschen von damals wie folgt dar:

„Unsere Einwohner stellen einen kerngesunden Menschenschlag dar, mit gutem Körperbau und ausgestattet mit Fleiß und Betriebsamkeit. Kulturempfinden und Vaterlandsliebe, sowie innige Anhänglichkeit an den heimatlichen Boden war ihnen eigen, ebenso besitzen sie eine gute Religiosität und Bürgertreue“. „Noch gibt es einen Teil von Quacksalbern und Zettelschreibern, doch werden Gespenster-, Hexen- und Geisterbeschwörungsgeschichten und andere Alfanzereien immer seltener.“ „Sie bewohnen Häuser mit Frohmut und Reinlichkeit und sind zumeist nett gekleidet und strahlen einen gewissen Wohlstand aus. Die Hochzeiten der Bauern werden je nach Wohlhabenheit mit großem Aufwand und Pomp gefeiert.“

Unter dem im Ort vorhanden 156 Häusern befanden sich auch ein herrschaftlicher Kornspeicher, eine adelige Kurie, 2 Gaststätten, 2 Pfarrkirchen und 2 Pfarrhöfe.

 

Wie sehr sich die Konfessionszahlen stets veränderten und in diesen Jahren die katholische Pfarrgemeinde zu „kämpfen“ hatte wird durch Folgendes dokumentiert: Am 08.03.1847 ersuchte Pfarrer Peter Csemy die Weihe von neuen Glocken in Zurndorf selbst vornehmen zu dürfen. Die Gemeinde könne sich, so die Begründung, die hohen Transportkosten und Fahrtspesen nach Raab nicht leisten. Er führt hiezu weiter an, dass außer 9 Bauern die übrigen alle evangelisch seien und die Katholiken sich nur aus Häuslern und Kleinhäuslern zusammensetzten.

 

 

Literaturangabe

Paul Ebner, Chronik der Marktgemeinde Zurndorf, Neusiedl am See 1986
Rittsteuer Josef, Anfänge burgenländischer Pfarren, Eisenstadt 1996